Wer sollte Immunonutrition erhalten?
Der Einsatz einer Immunonutrition ist besonders vorteilhaft für Patienten, deren Immunkräfte stark gefordert werden (z.B. vor und nach Operationen, während Antibiotika- oder Strahlentherapie, bei konsumierenden Krankheiten) bzw. bei denen der Immunstatus offensichtlich geschwächt ist (z.B. schlecht heilende Wunden, Dekubitus). Die Kombination von prä- und postoperativer Immunonutrition wird auch perioperatives Versorgungskonzept genannt.
Beispiel: Operativer Eingriff
Vor einer Operation sollte der Körper mit ausreichenden Mengen an Vitaminen, Mineralstoffen und den Hauptnährstoffen versorgt sein. Zusätzlich sollte das in den meisten Fällen nicht optimal funktionierende Immunsystem gestärkt und auf den bevorstehenden Eingriff vorbereitet werden.
Es ist bekannt, dass nach einer grossen Operation das Immunsystem stark geschwächt ist und die Immunparameter von Intensivpatienten stark absinken. Die Operation stellt für den Organismus eine hohe Stressbelastung dar: Während der Operation wird das Gewebe von der Blutversorgung abgetrennt, der Stoffwechsel muss unter der Sauerstoffknappheit alternative Wege bestreiten, es entstehen Stoffwechselendprodukte, die abgebaut und abtransportiert werden müssen. Nach der Operation vollbringt der Stoffwechsel wiederum Höchstleistungen. Es finden Wundheilungsprozesse statt, neues Gewebe wird gebildet, das Abwehrsystem muss eingedrungene und durch die Wundflächen noch eindringende Erreger bekämpfen. Es dauert einige Tage, bis diese Talfahrt überwunden ist. In dieser kritischen Zeit ist das Risiko hoch, dass Infektionen entstehen. Nach der Operation tragen die richtigen Nährstoffe entscheidend dazu bei, das auf Hochtouren laufende Immunsystem zu unterstützen und damit die Regeneration des Körpers zu fördern. Daher hat es sich bewährt, den Patienten nach der Operation nicht nur mit Nahrung zu versorgen, sondern sein Immunsystem gezielt mit zusätzlichen Immunonutrients zu unterstützen
Da die postoperative Immunonutrition nur eine schnellere Regeneration erniedrigter Immunparameter bewirken kann, empfiehlt sich bereits 5-7 Tage vor der Operation mit prä-operativer Immunonutrition zu beginnen, um den Patienten auf eine bevorstehende Operation optimal vorzubereiten.
Beispiel: Wundheilung
Dekubitus-Patienten können ebenfalls von einer Immunonutrition profitieren. Die Entwicklung und Heilung von Dekubiti hängt von zahlreichen Faktoren ab. Begleitend zu entsprechenden Pflegemassnahmen spielt dabei die richtige Ernährung eine entscheidende Rolle. Dekubitus-Patienten sollten bedarfsgerecht mit allen Nährstoffen sowie eiweissreich ernährt werden. Es ist eine Studie an bettlägerigen Personen mit Dekubitus bekannt, bei denen eine erhöhte Proteinzufuhr (24 % statt 14% der Energiezufuhr) zum schnelleren Abheilen der Dekubiti führte. Da bei Dekubitus-Patienten neben der bedarfsgerechten Ernährung zusätzlich das Entzündungsgeschehen reduziert und Wundheilungsprozesse verbessert werden sollten, hat sich die Immunonutrition in der Praxis bewährt. Dekubitus-Patienten, denen neben der optimalen Wundversorgung anstelle einer Standard-Ernährung eine spezielle Immunonutrition gegeben wurde, reagierten mit einem sichtbar schnelleren Abheilen des Dekubitus. Diese Erfolge lassen sich dadurch erklären, dass Arginin als Immunonutrient neben der Stärkung der Immunzellen über eine Förderung der Kollagensynthese die Wundheilung verbessert. Der Entzündungsprozess wird positiv moduliert durch die Omega-3-Fettsäuren, die in der Lage sind, entzündliche Prozesse abzuschwächen.